Würzen mit exotischen Aromen
Probieren Sie mal ausgefallene Gewürze in der Küche aus. Die eröffnen ganz neue Geschmackswelten.
Haben Sie schon mal von Kassia-Zimt gehört, Ihr Gemüse mit Asant gewürzt oder Ziegenkäse mit rosa Pfeffer zubereitet? Willkommen in der wunderbaren Welt der Gewürze. Life! stellt Ihnen einige Exoten vor. Dazu gibt’s Tipps zur Verwendung und Aufbewahrung.
• Ajowan
Ajowanpflanzen werden vor allem in Indien und dem Nahen Osten angebaut. Die gestreiften Ajowanfrüchte ähneln Selleriesamen und werden zum Gebrauch fein verrieben. Ihr Aroma erinnert an Thymian, ist aber noch etwas kräftiger. Vor allem für indische Gerichte mit Kartoffeln, Bohnen und Hülsenfrüchten ist Ajowan (Foto oben rechts) ein beliebtes Würzmittel. Blumenkohl im Kichererbsenteig oder gefüllte Fladenbrote schmecken mit etwas Ajowan noch viel besser.
• Anis und Sternanis
Schon zur Bronzezeit war Anis als Gewürz und Heilmittel bekannt. Heute stammt der Großteil der Anis- und Sternanisernte aus Russland, Vietnam und Japan. Obwohl sich Anissamen und Sternanis (Foto oben mitte) in ihrem Aussehen stark voneinander unterscheiden, haben beide einen ausgeprägten Lakritzgeschmack, der an Fenchel erinnert. Anissamen sind noch aromatischer, wenn man sie ohne Fett röstet. Dann kann man sie zum Verfeinern von Pikantem und Süßigkeiten oder Plätzchen nutzen.
• Annatto
Brasilien ist der Hauptproduzent und Hauptexporteur von Annatto (Foto oben links). Die ziegelroten, dreieckigen Samen enthalten einen intensiven gelben Farbstoff und haben ein pfeffriges Aroma mit zartem Muskatgeschmack. Heutzutage wird Annatto fast nur noch zum Färben von Butter, Käse und Saucen verwendet.
• Asant
Asant ist in Iran, Afghanistan und Nordindien beheimat und wurde um 330 v. Chr. von Alexander dem Großen in den Westen gebracht. Aus den dicken Stängeln der Assantpflanze gewinnt man ein milchiges Harz, das sich zu Asant verfestigt. Ganze Stücke oder gemahlener Asant haben ein kräftiges, knoblauchartiges Aroma und eignen sich zum Würzen von Gemüse, Fisch und Hülsenfrüchten – perfekt für indische Gerichte.

• Gewürznelken
Schon um 200 v. Chr. schätzten die Chinesen die Heilwirkung von Gewürznelken (Foto links), die bis zum 18. Jahrhundert ausschließlich auf den Molukken, einer Inselgruppe Indonesiens, angebaut wurden. Heute sind Sansibar und Pemba vor der Küste Ostafrikas die bedeutendsten Produzenten von Gewürznelken. Auf Grund ihres leicht strengen und gleichzeitig süßen, hocharomatischen Geschmacks würzt man mit ihnen Bratensaucen und Rotkohl. Gewürznelken passen außerdem gut zu Äpfeln, Plätzchen und Lebkuchen.
• Kardamom
Kardamom wird hauptsächlich auf Sri Lanka und in Indien geerntet. Braune, grüne und weiße Kardamomkapseln haben ein leicht zitronenartiges Aroma, das an Eukalyptus erinnert. In Europa findet Kardamom vor allem Verwendung in Kuchen und Weihnachtsplätzchen. Man aromatisiert damit aber auch Aquavit, Currys oder eingelegte Heringe. Kaufen Sie nur ganze intakte Kapseln, damit das Aroma möglichst lange erhalten bleibt.

• Kassia- und Cylon-Zimt
Kassia-Zimt wird aus der Rinde des chinesischen Zimtbaumes hergestellt, die man wie die Rinde des Cylon-Zimtbaums verwendet. Bereits 3000 v.Chr. wurde Kassia-Zimt als Gewürz über arabische Händler nach Europa gebracht, Cylon-Zimt (Foto rechts) hingegen erst um 1500n.Chr. Kassia-Zimt unterscheidet sich vom Echten oder Cylon-Zimt durch den intensiveren und herberen Geschmack. Fast alle Zimtpulver bestehen aus Kassia-Zimt, Cylon-Zimt wird meist nur in Stangen verkauft. Tipp: Würzen Sie dunkle Saucen mit einer kleinen Prise Zimt.
• Lorbeer
Lorbeer (Foto unten links) ist in Kleinasien heimisch, breitete sich aber schon zu Urzeiten im ganzen Mittelmeerraum aus. Zerkleinerte, getrocknete Lorbeerblätter sind besonders aromatisch und verleihen klassischen Béchamel- oder Tomatensaucen ein warmes, kräftiges Aroma. Verfeinern Sie mit Lorbeerblättern Gerichte mit Meeresfrüchten, Fleisch, Reis und Gemüse. Außerdem würzt man mit ihnen Suppen, steckt sie auf Grillspieße oder verwendet sie zum Einlegen. Wichtig: nur in geringen Mengen verwenden und vor dem Essen die harten Blätter herausnehmen.
• Mahaleb
Mahaleb sind die getrockneten Samenkerne der Früchte der Felsenkirsche und stammen aus dem Mittleren Osten sowie der Türkei. Die Samen schmecken leicht bitter, duften aber nach Nüssen und Kirschen. Das gemahlene Gewürz verwendet man für Brot oder Gebäck. Auch Obstkuchenteig erhält mit Mahaleb ein ganz besonderes Aroma.
• Muskatnuss und Macis
Macis (Foto oben rechts) gewinnt man aus der ursprünglich orange-roten Schale der Muskatnuss. Ihr Aroma ist milder und feiner als das der Muskatnuss, diese schmeckt dafür etwas süßer. Mit einer Prise Macis oder Muskatnuss verfeinert man nicht nur Kartoffelbrei und Gemüse, sondern gibt auch Obstsalaten oder Weihnachtsgebäck einen besonderen Geschmack.
• Papayakerne
Papayakerne stecken im inneren Hohlraum der Papayafrüchte, die vorwiegend aus Hawaii, Brasilien, Thailand und Mexiko nach Europa exportiert werden. Die frischen Kerne haben einen scharfen Geschmack, der an Senf oder Kresse erinnert. Lässt man sie in der Sonne trocknen, wird ihr Aroma etwas schwächer. Gibt man Papayakerne in eine Marinade für Fleisch, wird dieses beim Garen zart und schmeckt pfeffrig. Mit zerstoßenden Kernen kann man auch Salatdressings oder Fischsaucen würzen.

• Piment
Kolumbus brachte Piment (Foto links) im 15. Jahrhundert aus Südamerika mit nach Europa, wo es sich aber erst 200 Jahre später als Konkurrenz zum Pfeffer etablierte. Piment ist ein Allround-Gewürz, da sein Aroma an Gewürznelken, Muskat, Pfeffer und Zimt erinnert. Kaufen Sie am besten ganze Beeren, denn frisch gemahlen schmeckt Piment viel würziger. In den Küchen Europas ist Piment eine beliebte Würzzutat für festliche Backwaren. Aber auch Fisch erhält durch Piment ein ganz besonderes Aroma.
• Sichuanpfeffer und Rosa Pfefferkörner
Als Sichuanpfeffer bezeichnet man die Beeren einer Gelbholzbaumart, die nicht zu den eigentlichen Pfeffergewächsen gehört. Die rotbraunen Fruchtkapseln haben ein pfeffriges Aroma, das vor allem in China zum Würzen von Huhn und Ente gebraucht wird. Rosa Pfeffer (Foto unten links) verwendet man hingegen hauptsächlich als Dekoration, in Gewürzmischungen zusammen mit schwarzem, weißem und grünem Pfeffer oder um dem Gericht einen besonderen Touch zu verleihen. Ganz lecker ist Ziegenkäse mit rosa Pfeffer.
• Vanille
Echte Vanille (Foto oben mitte) hat ein unvergleichliches warmes, exotisches Aroma, das man fast ausschließlich für Süßspeisen einsetzt. Dabei kann man auch herzhafte Gerichte mit Vanille verfeinern. Servieren Sie zum Beispiel mal ein Kalbsfilet zu Zwiebelkompott mit Chili und Vanille. Die Königin unter den Vanillesorten ist die Bourbonvanille. Sie besitzt ein besonders hochwertiges Aroma. Vanilleschoten sind relativ teuer, da die Bestäubung, Ernte und Trocknung der Vanillekapseln sehr zeitaufwändig ist. Bis zum 19. Jahrhundert musste man Vanille aus Mexiko importieren, doch mittlerweile wächst sie auch auf Madagaskar, den Seychellen und in Indonesien. Von dort wird sie in alle Länder der Welt exportiert.
• Wacholder
Wacholderbäume wachsen fast überall in warmen, südlichen Gebieten und werden schon im alten Testament erwähnt. Die wichtigsten Wacholderproduzenten sind heute Ungarn und Italien. Aus Wacholderbeeren (Foto oben rechts) werden zum Beispiel Gin und Liköre hergestellt. Der leicht bittere Geschmack ist ein tolles Aroma für Wild, Ente und Kaninchen sowie für Schinken und Lamm. Außerdem können Sie mit einigen zerdrückten Wacholderbeeren einem gehaltvollen Früchtebrot oder Ihrem Apfelkuchen einen besonderen Geschmack verleihen.
So bewahren Sie frische Gewürze am besten auf:
Frische Gewürze halten sich am besten im Gemüsefach Ihres Kühlschranks. In etwas Küchenpapier gewickelt bleiben zum Beispiel Curryblätter oder Zitronengras bis zu zwei Wochen frisch. Ingwer oder Chilis bleiben in einem fest verschlossenen Behälter bis zu drei Wochen frisch. Möchten Sie Ihre Gewürze länger haltbar machen, verarbeiten Sie diese in einem Mörser zu Pasten. Eingefroren behalten sie bis zu 6 Monate ihr Aroma.
So bewahren Sie getrocknete Gewürze am besten auf:
Hitze, Feuchtigkeit und Licht mildern die Qualität Ihrer Gewürze. Deshalb sollten Sie getrocknete Gewürze in einem luftdichten Behälter an einem kühlen und dunklen Ort lagern. Benutzen Sie am besten kleine Gläser mit luftdichtem Verschluss oder Schraubdeckel, die Sie dann in den Küchenschrank stellen und nicht auf ein Regal. Ganze Beeren, Kapseln oder Muskatnüsse sollten so mindestens sechs Monate haltbar sein. Gemahlene Gewürze wie Zimt, Curry oder Paprika können nach fünf bis sechs Monaten Farbe und Aroma verlieren. Sollten Sie sich einmal nicht sicher sein, ob das Gewürz noch haltbar ist, riechen Sie daran. Ein muffiger oder untypisch schwacher Geruch zeigt an, dass die Würzkraft nachgelassen hat.
So bewahren Sie Senf und Gewürzpasten am besten auf:

Gewürzpasten nach dem Öffnen am besten im Kühlschrank lagern und innerhalb von sechs Wochen verbrauchen. Senf können Sie sogar im geöffneten Glas bis zu ein Jahr aufbewahren.
Weitere Tipps zum Umgang mit Gewürzen
• Rösten ohne Fett
Durch das Rösten ohne Fett in einer beschichteten Pfanne erhalten Gewürze wie Kreuzkümmel oder Koriander ein besonders intensives Aroma. Diese Verarbeitung von Gewürzen ist allerdings nur mit ganzen Körnern, Samen oder Kapseln möglich, nicht mit gemahlenen Gewürzen. Wichtig: Ständig rühren, damit die Gewürze nicht anbrennen.
• Gewürze mahlen
Viele Gewürze werden zerstoßen und klein gerieben um, ihr volles Aroma zu entfalten. Einige Gewürze wie Macis, Kurkuma und Zimt lassen sich nur schwer zerkleinern und werden daher bereits als Pulver angeboten. Alle anderen aber, zum Beispiel Pfeffer und Piment, schmecken frisch gemahlen am intensivsten. Gewürze wie Nelken, Ajowan oder Wacholder können Sie in einem Mörser leicht zerdrücken, damit diese ihr Aroma später besser abgeben.

• Gewürze zur Dekoration
Schaffen Sie in Ihrem Wohnzimmer eine besonders weihnachtliche Stimmung, in dem sie zum Beispiel Zitrusfrüchte mit Nelken bestecken und Ingwerplätzchen als Christbaumschmuck verwenden. Potpourris (Foto oben) aus getrockneten Rosenblättern, Orangenschalen, Lavendelblüten und Pimentkörnern sehen nicht nur toll aus, sondern verströmen auch einen wundervollen Duft. Außerdem können Sie kleine Körbe mit schön gemusterten Stoffen oder Papierservietten auslegen und anschließend mit Gewürzen befüllen. Binden Sie Zimtstangen mit Schmuckband zusammen, füllen Sie kleine Baumwollbeutel mit Kardamomkapseln und Pimentkörnern und legen Sie zum Beispiel Muskatnüsse, Sternanis und Chillies dazu. Diese Gewürzkörbchen sind nicht nur dekorativ, sondern auch ein tolles Weihnachtsgeschenk für jeden Hobbykoch.
• Wirkung der Gewürze auf den Körper
Weihnachtsgewürze versetzen uns nicht nur in eine festliche Stimmung, sondern haben wie viele andere Gewürze auch eine heilende Wirkung. So sollen Asant, Piment und Zimt bei Verdauungsproblemen helfen, Nelken sollen Zahnschmerzen lindern. Anis hingegen wird für viele Halsschmerztabletten und Hustenmittel verwendet. Außerdem sollen Anis und Papayakerne für einen frischen Atem sorgen. Auch Lorbeer wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Er soll blutstillend, harntreibend und appetitanregend wirken.
Ein Rezept für Ingwerplätzchen finden Sie >>hier
Karen Schmidt







