Bilder voller Lebensenergie
Die Hamburger Künstlerin Suzan Leisering probiert in ihren Arbeiten , neue, ganz eigene Wege aus. Ihre Werke zeigen keine Personen, Landschaften oder Gegenstände. Stattdessen gibt es viele weiche Formen und Linien.

Ihre Bilder sind elegant, unkonventionell und unvorhersehbar. Alles fließt und scheint in Bewegung zu sein. „Geheimnisvoll“ könnte ein passendes Wort sein, um die Stimmung in Suzan Leiserings Werken zu beschreiben.
Die 1983 in Hamburg geborene Künstlerin studierte nach ihrem Abitur 2003 zunächst Illustration. Sie begann ihren Stil zu suchen, zeichnete Portraits und malte Blumen mit Aquarelltusche. Doch schon nach einem Jahr erkannte sie, dass eine konventionelle Karriere als Illustratorin für sie nicht in Frage kam. „Ich zeichne nicht gerne“, erzählt Leisering. Mit Zeichentusche auf grundierter Leinwand und sehr viel Wasser fand sie schließlich ein Medium, mit dem sie „ohne Vorzeichnung einheitlich zusammenarbeiten kann“. Statt Illustrationen für Bücher zu zeichnen, begann sie, Neues auszuprobieren und sich eine eigene Künstleridentität aufzubauen.
Von spiritueller Literatur inspiriert, versucht sie in ihren Bildern der „unvergänglichen Lebensenergie ein Sinnbild in der Welt der Formen zu verleihen.“ Alle Werke tragen ein „ohne Titel“. Viele Betrachter sehen in ihnen Dinge wie einen Geist, eine Satellitenschüssel, eine Märchen- oder Unterwasserwelt. Aber um das mitzunehmen, was Leisering auszudrücken versucht, müssen Sie das Bild „verstandesfrei“ ansehen, wie sie selbst rät. Oder anders ausgedrückt: Schauen Sie auf das Bild und versuchen Sie nicht irgendwelche Dinge, Gegenstände oder Landschaften zu entdecken. Lassen Sie es einfach auf sich wirken. „Meine Bilder zeigen den Fluss der Lebensenergie“, erklärt Leiserig. Die Kunstwerke sollen zu einer Bewusstseinerweiterung inspirieren und können nicht im herkömmlichen Sinne interpretiert werden. „Mein Werk ist ein Versuch, das ewige Leben jenseits des Gegenständlichen zu symbolisieren.“ Wer keine spirituelle Ader besitzt, kann die Bilder selbstverständlich auch ohne diesen Hintergrund betrachten und einfach deren Schönheit genießen.

„Spontaneität und schnelles Arbeit sind mir wichtig“, sagt Leisering. „ Anders könnte ich den Energiefluss nicht widerspiegeln. Ein Bild fängt nie durchdacht an. Ich sehe etwas irgendwo und fange an zu malen.“ So enthält jedes Werk zwar eine Grundidee, aber es gibt keine Skizze oder vorherige Farbauswahl. Häufig beginnt die Künstlerin damit, eine größere Fläche mit Wasser zu benetzen. Dann trägt sie Farben auf und eventuell gerade Linien ganz ohne Wasser. Auf diese Weise spielt sie mit Konturen und Auflösung, zeigt einen Kontrast zwischen weichen Formen und harten Linien. Leisering: „Oft fällt es mir dann schwer, den Zeitpunkt des fertigen Bildes zu erkennen. Schon so manches Bild ist im Müll gelandet, weil ich den Pinsel nicht rechtzeitig aus der Hand gelegt habe.“
Was als Experiment von Tusche auf Leinwand begann, hat sich weiterentwickelt. Die frühen Bilder der Hamburgerin mit viel Farbe und wenig weißer Leinwand zeugen von einem ereignisreichen, aufgewühlten Leben. Ihre neuesten Werke sind minimalistischer. Wenig Farbe, viel weiße Leinwand und häufig gerade Linien zeigen: Ihr Leben ist geordneter, ruhiger geworden. Ebenso fließt ihre Lebensenergie. Suzan Leisering beschreibt es so: „Mein Werk wird ein immer stillerer Ozean.“

Tipp:
Neben der Malerei widmet sich Leisering seit kurzem auch der Fotografie. Mit unterschiedlicher Beleuchtung und verschiedenen Perspektiven erscheint zum Beispiel eine Glühbirne in ganz neuem Licht. Ihre Fotos und Bilder können Sie zurzeit in zwei Ausstellungen bewundern. Im „The Locks“ (Marienhof 6, 22399 Hamburg) lässt sich nicht nur leckeres Essen genießen, sondern bis Dezember 2008 auch Suzan Leiserings Malerei. Außerdem gibt es eine Ausstellung ihrer Werke von November 2008 bis März 2009 im Artikum Kunstsalon, FJK „Das kleine Format“ (Hauptstraße 25, 53604 Bad Honnef, bei Bonn).
Kontakt:
Suzan Leisering, Wexstraße 39, 20355 Hamburg, Telefon: 0179 95 23 630, Email: suzanleisering@gmail.com, www.tra-x.net
Karen Schmidt







