Copilul e.V.: Hilfe für rumänische Kinder

Seit 1994 hilft „Copilul e.V." rumänischen Kindern, die in Armut leben. Da die staatliche Unterstützung knapp ist, sind viele Familien in Rumänien auf zusätzliche Hilfe angewiesen.

1989 erschütterte ein Fernsehbericht über katastrophale Zustände in dem rumänischen Kinderheim Cighid die deutschen Zuschauer: Abgemagerte Kinder vegetierten in Kot und Schmutz in fensterlosen Räumen vor sich hin. Viele von ihnen starben durch die Vernachlässigung.

Rumänisches KindRumänisches Kind

Auch der Ahrensburger Achim Keßler-Binder, Erzieher in Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen, sah die entsetzlichen Bilder der verwahrlosten Kinder. Der heute 69-Jährige und seine Frau Renate Binder, eine Altenpflegerin, beschlossen, selber zu helfen. Sie adoptierten einen rumänischen Jungen und waren sich einig: Wir wollen noch mehr Kindern langfristig ein besseres Leben ermöglichen. Das Ehepaar mobilisierte Freunde und Bekannte. 1994 war es soweit: Der Kinderhilfsverein „Copilul e.V." wurde gegründet. Copilul kommt aus dem Rumänischen und bedeutet „Kind".

Copilul bedeutet "Kind"

Baby im Spital von FogaraschBaby im Spital von Fogarasch

Seitdem unterstützt der Verein arme Kinder in der rumänischen Stadt Fogarasch mit verschiedenen Projekten. Anfangs konzentrierte sich die Arbeit auf die Verbesserung von sozialen Institutionen, wie dem örtlichen Spital. Durch den Verein kümmert sich dort eine Krankenschwester mit sozialpädagogischer Zusatzausbildung um die kranken Kinder. Sie spendet Zuwendung, die über die Routine des Klinikalltags hinausgeht. Mittlerweile engagiert sich Copilul in mehreren Projekten auch für eine bessere Versorgung in den Familien. Denn zahlreiche rumänische Kinder müssen zu Hause hungern.

Es fehlt das tägliche Brot

„Es ist nicht ungewöhnlich, dass arme Mütter ihre Kinder als angeblich krank im Krankenhaus abgeben und sie dann nicht wieder abholen", erzählt Achim Keßler-Binder und nennt den Grund: „Es fehlt tatsächlich das tägliche Brot." Wegen der steigenden Preise bei gleich bleibenden Gehältern können viele Familien ihre Kinder nicht mehr richtig ernähren. Einige Kinder bekommen nur eine Mahlzeit am Tag oder sogar tagelang gar nichts zu essen. Um diese Grundversorgung zu verbessern, hat Copilul ein Brotprojekt ins Leben gerufen: Die Bäckerei der „Diakonia Fagaras" backt jeden Tag 150 Brote, die an die bedürftigsten Familien verteilt werden. „Die dortige Sozialarbeiterin Juliana Dul prüft, wo die Unterstützung am dringendsten gebraucht wird", erklärt der Vereinsvorsitzende. Ein 1000g-Brot kostet umgerechnet etwa 60 Cent. 18.000 Euro überweist Copilul jedes Jahr für das Brotprojekt.

Mit leerem Magen fällt lernen schwer

Copilul-Projekt: Kinderdorf Canaan Copilul-Projekt: Kinderdorf Canaan

Ist das Geld knapp, müssen auch viele andere Familien beim Frühstück sparen. Doch mit leerem Magen fällt das Lernen in der Schule schwer. Deshalb fördert der Verein eine Schulspeisung für Schüler der fünften bis achten Klassen an der Dorfschule Şercaia/Schirkanyen. Den Erst- bis Viertklässlern finanziert der Staat ein kleines Frühstück: Für jeden gibt es ein so genanntes „Kipfel", eine Art Brötchen, und ein Glas Milch. Doch auch die älteren Schüler kommen hungrig zur Schule. Deshalb bezahlt der Verein jährlich 3.300 Euro, damit jeder Fünft- bis Achtklässler ein kleines Baguette zum Frühstück erhält.

Patenschaften für bedürftige Familien

Zuverlässige Hilfe leistet auch das Patenschaftsprojekt von Copilul: Besonders arme Familien werden durch eine Patenfamilie monatlich mit 25 bis 30 Euro unterstützt. So können die Eltern oder allein erziehenden Müttern ihre oft vier oder fünf Kinder zu Hause versorgen. Sonst müssten sie sie womöglich ins Heim geben. Der regelmäßige Geldbetrag wird von einem Mitarbeiter der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde in Fogarasch in die Landeswährung Lei umgetauscht und der rumänischen Familie überbracht. „Der Betrag wird entweder bar ausgezahlt oder z.B. in einen Schulranzen investiert", so Achim Keßler-Binder. Etwa zweimal im Jahr fährt er mit seiner Frau nach Fogarasch, um die Projekte zu kontrollieren. Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden klappte bisher hervorragend: „Das Geld wird gezielt verteilt und versickert nicht."

Lena Thiele

So können Sie Copilul e.V. unterstützen

Mehr Information zu den Projekten von Copilul e.V. finden Sie auf www.copilul.de. Spenden können Sie - auch projektgebunden - auf folgendes Spendenkonto überweisen:

 

Copilul e.V.

Sparkasse Holstein
Kontonummer: 900 33 293
Bankleitzahl: 213 522 40

Filmtipp

4 Monate, 3 Wochen und zwei Tage

Ein vom rumänischen Diktator Nikolae Ceausescu 1966 erlassenes Gesetz führte dazu, dass über eine Million ungewollter Kinder geboren wurden. Das Dekret 770 verbat sämtliche Verhütungsmittel und stellte Abtreibungen unter Strafe. Von den illegalen und lebensgefährlichen Schwangerschaftsabbrüchen handelt dieser Film, der in Cannes 2007 die goldene Palme gewann.

 

Kinostart: 22. November 2007