Psychologische Betreuung hilft Brustkrebspatientinnen

Etwa 55.000 Frauen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Brustkrebs. Psychologische Betreuung kann in dieser schwierigen Situation eine wichtige seelische Unterstützung sein. 

Hilflos fühlte sich Gundel K., als sie erfuhr, dass sie Brustkrebs hat. „Ich hatte plötzlich keinen Boden mehr unten den Füßen", beschreibt die 41-Jährige ihre Gefühle nach der schrecklichen und lebensverändernden Diagnose. Wie alle Patientinnen, die dieses Schicksal ereilt, gingen auch Frau K. zahlreiche Fragen durch den Kopf: Wie geht mein Leben weiter? Wie schlimm ist meine Krankheit? Wie werden meine Familie und Freunde reagieren? Verliere ich vielleicht meinen Beruf? Seelische Unterstützung fand sie schließlich in einer psycho-onkologischen Beratung. Ein Psycho-Onkologe hilft Frauen wie ihr, die seelische Belastung zu bewältigen und im täglichen Kampf gegen die Krankheit wieder Lebensfreude zu gewinnen. Durch den Krebs werden viele Lebensbereiche beeinträchtigt. Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, zweifeln häufig an ihrer körperlichen Attraktivität. Dazu kommt, dass sie ihre Rolle als Mutter, Partnerin oder im Beruf möglicherweise nicht mehr wie früher ausüben können. 

"Ist der Körper krank, leidet häufig auch die Seele"

Dr. Pia HeußnerDr. Pia Heußner

„Wenn der Körper krank ist, ist oft auch die Seele beeinträchtigt", sagt Dr. Pia Heußner, Leiterin der Psycho-Onkologie an der Uni-Klinik München-Großhadern. „Zu mir kommen Frauen, die wegen ihrer Brustkrebserkrankung beispielsweise an Angst, Hilflosigkeit, Depression oder Aggression leiden", erzählt sie. Die psychologische Begleitung soll die Patienten stärken, sodass sie ihre Krebserkrankung bewältigen und die veränderte Lebenssituation sowie die medizinische Behandlung gut verkraften. Dr. Heußner hat die Erfahrung gemacht, dass viele Patientinnen nach dem ersten Schock ihr Leben wieder positiver wahrnehmen. Beziehungen werden intensiver empfunden und Wertmaßstäbe neu gesteckt. Frauen, die sich mit den Veränderungen beschäftigen, erkennen leichter, was ihnen wirklich wichtig ist und was als unnötiger Ballast abgeworfen werden kann.

"Mir helfen lange Spaziergänge"

Leichtes Ausdauertraining wie z.B. Walking ist einfach und effektivLeichtes Ausdauertraining wie z.B. Walking ist einfach und effektiv

Die jung erkrankte Gundel K. weiß mittlerweile, was ihr gut tut: „Mir persönlich helfen die langen Spaziergänge mit meinem Hund. Ich genieße die Bewegung an der frischen Luft, abends kann ich dadurch besser schlafen." Wie hilfreich körperliche Aktivität aus psychologischer Sicht ist, erklärt Dr. Heußner: „Durch Bewegung wird es möglich, das durch die Krebserkrankung erschütterte Vertrauen in den eigenen Körper zurück zu gewinnen. Das allgemeine Wohlbefinden ist außerdem eine wichtige Kraftquelle zur Bewältigung der neuen Situation." Auch durch kreative Methoden wie Kunst- oder Musiktherapie und Entspannungsverfahren können die Patientinnen sich mit ihrer Situation auseinandersetzen. „Ich habe mittlerweile das Malen für mich entdeckt", erzählt Gundel K., die an fortgeschrittenem Brustkrebs leidet. Zu den weiteren möglichen Therapiemaßnahmen gehören die Psychotherapie und bei Bedarf Psychopharmaka, mit denen Depressionen gelindert werden können.
Wie die Behandlung des Tumors sollte auch die psychologische Betreuung individuell abgestimmt werden. Jede Frau kann selber entscheiden, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang sie psychologische Hilfe nutzen will. Die Begleitung durch einen Psycho-Onkologen ist immer in den Leistungen einer Rehabilitation inbegriffen. Bei der Akutbehandlung zu Beginn der Krankheit und während der Nachsorge besteht jedoch kein genereller Anspruch auf Kassenleistungen.

So finden Sie Beratungsangebote in Ihrer Nähe

Gerade zu Beginn der Erkrankungen wissen Betroffene oft nicht, wie sie Beratungsangebote in ihrer Nähe finden können. Ein erster Anlaufpunkt sind die zertifizierten Brustzentren, die mit psycho-onkologischen Adressen helfen können. Wer sich zunächst selber informieren will, findet auf den folgenden Internetseiten seriöse Informationen:
• Die „Blauen Ratgeber" der Deutschen Krebshilfe (Telefon: 0228-72990-0) informieren verständlich über verschiedene Krebsarten. Sie können unter www.krebshilfe.de kostenlos bestellt werden.
• Unter www.brustkrebs-bewegt.de gibt es Informationen, praktische Tipps und spezielle Bewegungsübungen (s.u.) für an Brustkrebs erkrankte Frauen.
• Das Frauenmagazin Mamma Mia! (www.mammamia-online.de) berichtet über Brustkrebs und bietet die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.
• Unter www.krebsgesellschaft.de finden Sie zertifizierte Brustzentren in Ihrer Nähe.

Life! Info: Operation und Therapie

Nach der Diagnose der Krankheit überkommt viele Patientinnen die Angst vor einer Brustamputation. „Fast 70 Prozent aller Brustkrebspatientinnen können brusterhaltend operiert werden", sagt Dr. Günter Raab, Experte für gynäkologische Onkologie. Im Anschluss an die Operation wird die betroffene Brust bestrahlt, um eventuell dort noch verbliebene Krebszellen abzutöten. Abhängig von der Art der Erkrankung sind außerdem verschiedene medikamentöse Therapien möglich. Neben der bekannten Chemotherapie können bei bestimmten Tumorarten auch eine Antihormontherapie oder eine Antikörpertherapie sinnvoll sein. Welche Therapie am besten hilft, ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Bewegung stärkt Körper und Seele

Bewegung verbessert die Körperwahrnehmung und stärkt das Selbstbewusstsein. Mit diesen speziellen Übungen, entwickelt von der Deutschen Sporthochschule Köln, können betroffene Frauen selbst etwas für sich und ihren Körper tun. Die Übungen sind effektiv, wohltuend und einfach nachzumachen.

Koordination

- Stellen Sie sich locker hin und strecken Sie die Arme zur Seite aus

- Beginnen Sie langsam mit den Armen zu kreisen, lassen sie die Kreise erst immer größer und dann wieder kleiner werden

- Kreisen Sie in die andere Richtung

- 30 Sekunden durchhalten, dann 30 Sekunden Pause

- Wiederholen Sie die Übung dreimal

Kraft

- Stellen Sie sich etwa einen Meter vor einer Wand auf und stützen Sie sich mehr als schulterbreit an der Wand ab, die Fingerspitzen zeigen nach oben.

- Spannen Sie Po und Bauch fest an.

- Bewegen Sie den Oberkörper langsam auf die Wand zu, indem Sie die Armgelenke beugen. Strecken Sie die Arme dann wieder durch.

- 15mal wiederholen und dann eine Minute Pause

- Wiederholen Sie die Übung dreimal.

Flexibilität

- Stehen Sie bequem, mit leicht geöffneten Beinen

- Falten Sie die Hände vor dem Körper, drehen Sie die Hände nach außen und strecken die Arme nach vorne aus.

- Ziehen Sie die Schulterblätter auseinander, lassen Sie den Kopf hängen und machen den Oberkörper rund.

- Diese Position fünf Sekunden lang halten und dann den Oberkörper langsam wieder aufrichten

Entspannung

- Setzen Sie sich mit leicht geöffenten Beinen bequem auf einen Stuhl und lassen Sie die Arme neben dem Körper hängen

- Neigen Sie den Kopf nach unten und machen Sie langsam Wirbel für Wirbel einen Rundrücken

- Verharren Sie kurz in dieser Position. Entspannt weiter atmen!

- Richten Sie sich wieder auf und wiederholen Sie die Übung

Lena Thiele